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Regal: Daumensprung und Jakobsstab

Wolfgang Regal: Daumensprung und Jakobsstab. Messen ohne Maßband.regal_daumensprung_und_jakobsstab.jpg
Conrad Stein Verlag, 32008 (Basixx; Basiswissen für draußen; OutdoorHandbuch 106).
ISBN 978-3-86686-106-0
Euro 7,90

Für Abgreifer wie für Visierschützen ist das Entfernungsschätzen mindestens so wichtig wie das Pfeiltuning ... das kleine, 90 Seiten starke Büchlein von Wolfgang Regal erscheint inzwischen schon in der dritten Auflage, was ein ausreichender Beweis für den Anklang ist, den es gefunden hat. Sein Ziel ist es, verschiedene Methoden vorzustellen, wie mit einfachen oder gar keinen Hilfsmitteln Entfernungen, Winkel, Höhen und Tiefen im Gelände möglichst genau bestimmt werden können. Und das ist genau das, was wir Bogenschützen auf dem Parcours brauchen.

Nach einem historischen Überblick über die Vermessungsgeschichte (Schwerpunkt Antike) geht es zur Indirekten Höhenmessung. Das ist noch relativ einfach. Satz des Thales ... man ärgert sich, daß man seinerzeit im Mathematikunterricht nicht besser aufgepaßt hat. Die Indirekte Höhen- und Tiefenmessung bringt den endgültigen Beweis: Mathematik und Physik hatten doch tatsächlich einen praktischen Nutzen! S. 32/33 oder 80/81 ... sehen aus wie Tafelbilder in der 9. Klasse. Horror! Danach geht´s zum Kern, zur indirekten Entfernungsmessung. Verschiedene Methoden werden vorgestellt; (fast) alle basieren auf rechtwinkligen Dreiecken. Es folgt die Winkelmessung, die Entfernungsmessung mit dem Schall und die indirekte Entfernungsmessung mit dem Kompaß. Das wird alles gut aufbereitet - die Rechnungen klar und nachvollziehbar dargelegt - aber das meiste ist für uns Bogenschützen leider nicht brauchbar. Ein Problem ist, daß man am Pflock nicht mit Försterdreick, Kompaß und Taschenrechner hantieren kann; schon, weil das viel zu lange dauert und Entfernungsmessung aus guten Gründen nicht erlaubt ist. Ein anderes Problem ist, daß viele Meßarten ein bestimmtes Gelände benötigen, um durchführbar zu sein. Wenn mit ähnlichen Dreiecken gearbeitet wird - wie bei der indirekten Kompaßmessung (höchst interessant!) - dann muß dazu ein gleiches Dreieck abgeschritten werden. Was auf einem Parcours, der die Hänge des Gelände ausnützt, kaum jemals möglich ist ...

Es bleibt damit die einfache Methode des Daumensprungs und z. B. die Tiefenmessung mit der Schallgeschwindigkeit. Das schön illustrierte, gut geschriebene Büchlein geht am Interesse der Bogenschützen leider etwas vorbei - Interessenten am „Messen ohne Maßband" im freien Gelände ist es allemal zu empfehlen.

kb, 2. Oktober 2009